Dschungeltour - 1. Tag

Am nächsten Morgen stellt sich heraus, dass noch zwei Schweizerinnen für die Tour rekrutiert worden sind. Somit sind wir zu sechst, die sich untereinander in irgendeinem deutschen Dialekt verständigen können. Unser Führer heißt Syafi, oder einfach nur Mat, der uns drei Tage durch den Dschungel führen wird. Während er seinen großen Wanderrucksack mit lauter Lebensmitteln wir Brot, Reis, Gemüse, Konserven, Töpfen und Gaskochern befüllt, versuchen wir alle unsere bereitgestellten selbst zu tragenden Rationen und Ausrüstungen in und an den Rucksack zu bekommen. Drei großen Flaschen Wasser, zwei Packungen Kekse, eine Orange, zwei Packungen Instantnudeln sowie eine Campingschüssel muss jeder selbst schleppen. Hinzu kommen ein Schlafsack und eine Isomatte. So gut es geht wird gequetscht und festgebunden, bis nach es endlich losgeht.

Zunächst geht es mit dem Boot noch tiefer in den Regenwald. Ab hier ist das Gelände tatsächlich mit dem Auto nicht mehr zugänglich. Während der Fahrt bekommt jeder sein Lunchpaket, bestehend aus noch warmem Nasi Goreng aus der Schaumstoffschachtel. Gegessen wird natürlich mit der Hand. Während der Fahrt flussaufwärts gibt es sieben Stromschnellen. "You might get a bit wet" endet damit, dass gleich bei der ersten Stromschnelle die größte Welle der Fahrt unsere Kamera ertränkt. Das wars dann wohl mit Bildern aus dem Dschungel. Eineinhalb Stunden später klettern wir mit Sonnenbrand und völlig durchnässt aus dem besseren Baumstamm, aus welchem unser Guide permanent das Wasser zurück in den Fluss schöpfte.

Wir starten die Wanderung an einem zerfallenen Resort, den man aufgeben musste, weil dort Elefanten einfielen, die sich an den Durianbäumen labten. Aus Sicherheitsgründen hat man daher diesen idyllischen Ort mitten im Regenwald aufgegeben und das Gebiet den ursprünglichen Bewohnern überlassen. Gleich zu Beginn gibt es die erste Überlebenslektion: zerreibt man die Blätter eines bestimmten Strauches kräftig mit etwas Wasser, entsteht ein Schaum, den man sich auf die offenen Körperstellen einschmiert, um sich so effektiv gegen Mücken und Blutegeln zu schützen. Und es hilft tatsächlich. Nachdem ich in den ersten zehn Minuten im Dschungel gleich eine Handvoll Mückenstiche ernte, bleibe ich mit diesem natürlichen Schutz den Rest des Tages von diesen Plagegeistern verschont. Auf unserer etwa acht Kilometer langen Wanderung lehrt uns Syafi viele Dinge, die im Dschungel nützlich oder gefährlich sind. Wir treffen dabei auf diverse daumendicke Tausendfüßler, einem handgroßen Skorpion und lernen den Baum kennen, aus welchem die Ureinwohner das giftige Harz gewinnen, womit sie ihre Pfeile bestreichen. Es dauert nicht lang, als auch schon der erste sich einen Blutegel eingefangen hat. Die meist streichholzgroßen Weichtiere können sich an beiden Enden mit Zähnen festbeißen. Zieht man einen Blutegel gewaltsam ab, entsteht dabei eine Wunde, die sehr lange braucht, bis sie gerinnt. Die Empfehlung ist daher, diese sich vollsaugen zu lassen und zu warten, bis sie von selbst wieder abfällt. Unsere zwei Schweizerinnen bevorzugen die blutende Variante, während der Holländer vergeblich darauf wartet, einen vollgesogenen Blutegel zu sehen.

Auch wenn der Weg meist eben ist, geht die Schwüle nicht einfach an einem vorbei. Wir schwitzen alle ganze Wasserströme, während unser Guide mit seinem sicherlich zwanzig Kilo schweren Rucksack munter davon trottet und dabei nicht viel mehr zu schwitzen scheint. Da sich unser Aufbruch insgesamt etwas verzögert hat, müssen wir auch zusehen, dass wir vor Einbruch der Dunkelheit das Nachtlager erreichen. Am letzten Stop lassen wir uns aber nicht entgehen, etwas Dschungelfeeling zu leben. An einer schönen Stelle schnappen wir uns eine Liane, laufen ein Stück einen Hügel hoch und lassen uns dann mit Schwung wie Tarzan durch die Lüfte schwingen. Knappe zehn Meter weit und gute drei Meter über dem Boden ist man gekommen, wenn man geschickt an dem riesigen Baum auf der anderen Seite vorbei geflogen ist.

Unser Nachtlager ist eine riesige Höhle, wo sich im tieferen Bereich zahlreiche Fledermäuse an der Decke tummeln. Im Nahe gelegenen Bach gehen sich alle erst mal unter den letzten Sonnenstrahlen so gut es geht den Schweiß abwaschen, bevor uns dann Syafi ein leckeres Abendessen aus Hühnchencurry mit Reis und Gemüse kocht. Im Schein der verteilten Kerzen neigt sich der Tag dem Ende und nachdem alle den Schreck der mutig auf unser Lager krabbelnden Ratte verdaut hat, legen sich alle in den wohl verdienten Schlafsack.

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