Singapore – Ein Land des Pomps und Überflusses

Erst im Hellen wird uns bewusst und ersichtlich was man von Singapore und seinem Reichtum sagt. Neben den unendliche vielen Malls entlang einer sehr langen Straße sind die verschiedenen ansässigen Kulturen tatsächlich in ihren entsprechenden Vierteln erkennbar. Angefangen bei Chinatown, wo sich in regelmäßigen Abständen die Tempel in Größe und Dekoration versuchen zu übertreffen. Das Schöne am Buddhismus ist, dass man völlig unkompliziert und nur mit wenig Kleideraufwand reingehen kann und die bunte Inneneinrichtung, die fast schon kitschig wirkt, sowie die großzügigen Goldverzierungen bewundern und fotografieren. Einer der Tempel hat sogar sieben Stockwerke und auf dem höchsten einen kleinen Orchideengarten, wo man andächtig wandeln kann. Gleichzeitig kann man einen mit 26 kg Gold verzierten Zahn Buddhas bewundern und sich dann einen Stock tiefer über die Geschichte des Buddhismus bilden.

Zu Chinatown gehören auch die kleinen Gassen mit ihren tausenden Ständen, einer neben dem anderen eng an eng. Nachdem wir uns ausführlich den Buddhismus zu Gemüte geführt haben, zeigt uns Gregor, wie man in einem Hawker Center essen geht. Man kann das auch als Food court übersetzen, doch hat es einen eindeutig ganz anderen Charakter als die Fressmeilen einer Mall. Geprägt durch lokale Spezialitäten, die in kleinen fest eingerichteten Ständen zubereitet werden, verbunden mit einem etwas anderen hygienischen Standard, fällt es einem nicht leicht, sich für eine Mahlzeit zu entscheiden, die man dann auf seinem Tablett irgendwo an den ebenso festen Tischen verspeist. Wir verzichten bewusst, auf Schildkröte, halten weiterhin Abstand von Hühnerfüßen und wagen uns eher an die aufgehängten, bereits gerösteten Enten und Hühnchen HÜHü+mit Nudeln. Sehr lecker und die Preise sind gegenüber der Ausgehmeile tatsächlich nur ein Drittel so hoch.

Gut gestärkt schlagen wir uns zur Marina Bay durch, was uns durch die Vorbereitungen für das im nächsten Monat anstehende Formel 1 Nachtrennen nicht leicht fällt. Ganze Straßen sind durch Zäune mit Betonfüßen für den Verkehr abgeriegelt. Kaum vorstellbar, dass man sechs Wochen vor der Veranstaltung eine Stadt schon derart lahm legen kann. Mit Blick auf den künstlichen Süßwassersee, welcher ehemals zum Meer gehörte, der auf seiner aufgeschütteten Landseite das neuste Bauwerk beherbergt, dem riesigen Casino, in gebogener Bootsform aufgestellt auf drei Hochhäusern. Zum Abschluss der Sightseeingtour gehen wir in eine der unendlichen Malls der Orchard Road, um uns für das Abendprogramm einzukleiden, während die Männer sich schon mal die ersten Bierchen gönnen.

Frisch rausgeputzt und nach einem sehr scharfen thailändischen Abendessen machen wir uns auf den Weg zum Helipad, einer In-location auf einer Mall, wo jemand aus Gregors Lunchgruppe auflegt und uns auf die Gästeliste gesetzt hat. Um elf ist es in dem Club noch nicht besonders voll, daher genießen wir mit unseren pitchergroßen Drinks erst mal die Aussicht auf Clarke Quay von oben. Melvin, ein Singapuri mit chinesischem Ursprung, und sein französischer Kumpel unterhalten uns voller Freude den ganzen Abend.

Insgesamt verbringen wir kaum eine Stunde auf der Tanzfläche, als wir um vier Uhr morgens rausgeschmissen werden. Die Motivation zum Tanzen hält sich in Grenzen, stattdessen kündigt sich der Hunger an. Melvin drängt sich uns schon fast auf, doch wir sind sehr erfreut über sein Engagement, uns ein sehr leckeres Lokal mit Dim Sums zu zeigen. Er verfrachtet uns in zwei Taxen, übernimmt die Bestellung und kurz darauf sitzen wir an einem runden Tisch voller kleiner Tellerchen mit den verschiedensten Teigtaschen und Füllungen. Üblicherweise isst man Dim Sum zum Frühstück, womit wir dem in Singapore klassischem Supper um fünf Uhr in der Frühe nur gerecht werden. Erst als uns der Mann an der Hotelrezeption einen guten Morgen wünscht, wird mir wirklich bewusst, dass bereits die Sonne gerade aufgeht…

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