Washington Slagbaai National Park

Seru Bentana
Seru Bentana

Heute wollen wir uns die nördlichsten Tauchplätze außerhalb des Nationalparks widmen. Die Straße geht hinter der Stadt direkt in ein Panoramic Road über, die aus einem zwei bis zweieinhalb Meter breiten Asphaltstrich durch die hügelige Landschaft besteht. Zur linken das Meer, mal mehr und mal weniger unterhalb der Straße, welche nur durch Steppenbüsche und Kakteen getrennt werden. Zur Rechten dichter Buschbewuchs, der manchmal zurückgedrungen wird durch eine Parkbucht, primär für Fahrzeuge mit Tauchern angelegt.

Ein sehr schöner Weg durch diese Landschaft, wobei wir dem Meeresrauschen zuhören können, da unser Auto sehr leise ist und man eh nicht schnell fahren darf. Natürlich begutachten wir jeden Tauchplatz, der von Land aus begehbar ist. Doch die See hier oben ist etwas rauer oder man muss 72 Stufen hinab und dann wieder hinauf steigen (gefühlt "1000 Steps") oder man muss eine höhere Kante überwinden oder es ist uns einfach nicht geheuer.

Also beschließen wir kurzerhand, die auch für den Nationalpark geltende bereits gezahlte Marineparkgebühr ausnutzen. Man kommt quasi sowieso daran vorbei, denn ab dem Tauchplatz 1000 Steps geht die Straße nur noch in eine Richtung. Wer zurück will, muss den Bogen über die nördlichste Stadt Rincon in Kauf nehmen. Wir nehmen den Abstecher in den Nationalpark. Am Eingang wird penibel Kennzeichen sowie ein Ausweis mit Lichtbild verlangt. Zum Glück reicht die Kopie meines Führerscheins und netterweise darf Claudi auch ohne sich auszuweisen und nachzuzahlen mit rein. "Yes, but you have to drive slow" ist die Antwort auf meine Frage, ob ich auch ohne Allrad durch den Park kann. Also, ich war mir doch ziemlich sicher, dass entgegen aller Empfehlungen es auch ohne gehen muss.

Wir entscheiden uns für die ausführliche lange Route, die ja tatsächlich kein Allrad notwendig macht. Klar Schotterpiste, aber darauf ist jedes Auto ausgelegt. Wir kommen wunderbar vorwärts und versuchen an jedem Point of Interest den etwas ängstlicheren Familienvater in seinem Pick up abzuhängen oder Vorsprung zu geben.

Schöner Sandstrand mit hohem Wellengang, Felsplateau mit versteinerten Korallen, eine Blow Hole (die Wellen drücken so in eine Wandformation, dass das Wasser geysirartig zurückgeblasen wird), schöne Gesteinsformationen (zwei völlig unterschiedliche Schichten übereinander), Kakteenwüste, diverser Salzseen mit Flamingobrutstätten, und dabei immer der Klang verschiedener Vogelgesänge. Auf dem letzten Stück kommen wir auch an den nun wirklich nördlichsten Tauchplätzen der Insel vorbei. Manche sind auch hier nur beschwerlich erreichbar (meist hinter einem Hügel aus Korallenskeletten) oder leider nicht mit unserem Auto erreichbar. Doch einer liegt tatsächlich an einem Sandstrand. Kaum ist der Motor aus bauen wir auch schon zusammen. Denn die Zeit drängt. Bis halb drei muss man aus dem Wasser sein.

Boka Slagbaai (Nr. 6)

Durch eine nicht enden wollende Sandbucht gelangen wir endlich an das Riff, das etwa in 45 Grad abfällt. Der Korallenbewuchs ist nicht so spektakulär, doch die üblichen Verdächtigen lassen sich auch hier wiederfinden. Viel spannender ist die Geräuschkulisse. Manchmal hört es sich so an, als ob eine Donnerkugel ins Wasser geworfen wird. Beim näheren hinhören und erinnern an das, was man so gelesen hat wird klar, dass auch hier wohl die Korallen durch den Wellengang so bewegt und gedrückt werden, dass es unüberhörbare Geräusche macht. Ziemlich tol, aber auch etwas unheimlich. Auf dem Rückweg übertauchen wir einen riesigen flachen Korallengarten, dem man die Wassergewalten deutlich ansehen kann. Einige Formationen kann man der Natur einfach nicht abnehmen... 

 

Nach diesem gemütlichen Tauchgang geht es etwas weniger gemütlich zurück zum Parkausgang. Die bisher gut befahrbare Piste wird auf diesem Stück ersetzt durch eine platt gewalzte Schneise, die ganz schön viel Schotter beherbergt. Dem ein oder anderen Stein kann man nicht immer ausweichen, so dass KLING und KLONG zum Motorengeräusch einfach dazugehören. Zum Glück schaut bei der Rückgabe ja keiner auf die Unterbodenverkleidung. Manches mal muss man wirklich etwas Schwung nehmen oder mit weniger als Schrittgeschwindigkeit im Slalom um Löcher und Steine fahren, wo ein Pick up mit mehr Bodenfreiheit und Allradantrieb wirklich von Vorteil gewesen wäre. Nach 34 km durch den Park, kommen wir aber sicher und das Auto am Stück wieder an den Ausgang. Wir verabschieden uns für seine freundliche Kulanz dankend vom Wächter, der es sehr schade findet, dass wir schon wieder abreisen müssen.

 

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